Traditionspflege und Geschichten, Kultur und Sprache
Das kulturelle Leben der Drachhausener Jugend und die sorbischen/wendischen Traditionen
Da in unserer Region noch vor ca. 100 Jahren nur sorbisch/wendisch gesprochen wurde, hat auch die kulturelle Seite hier ihren Ursprung. Neben den kirchlichen Feiertagen, hatten alle anderen Höhepunkte sorbischen/wendischen Charakter.
Bis Ende der 50-er Jahre war in Drachhausen in der Winterzeit für die Jugend der Treffpunkt die Spinnstuben. Die Abschlußfeier für diese Zeit war die Fastnacht. Während früher nur in den Ortsteilen getrennt gezampert und danach gefeiert wurde, entwickelte sich diese Tradition weiter und wird bis heute mit großen Umzügen in sorbischer/wendischer Tracht mit Tanzabenden für Jung und Alt, mit Gästen aus der näheren und weiteren Umgebung an mehreren Tagen gefeiert.
Das Osterfeuer, das Aufstellen des Pfingstbaumes (dieser wurde früher in allen Orten nur zu Pfingsten aufgestellt), das Hahnrupfen (Erntefest) sowie die Kirmes sind weitere Höhepunkte die von der Jugend organisiert und durchgeführt werden und einen großen Dorffestcharakter tragen.
Während die sorbische/wendische Kultur bis heute unser kulturelles Leben weitgehend mitbestimmt, ist der Gebrauch der Sprache sehr zurückgegangen. Verbote und Zuwanderungen anderen Menschen beeinflußten die frühere Umgangssprache negativ. Dies möchte ich an einigen Beispielen verdeutlichen.
Vor dem 2. Weltkrieg hatte das Hitlerregime die sorbische/wendische Sprache verboten. Nach dem Krieg wurden Menschen jenseits der Oder und Neiße aus ihrer Heimat vertrieben und auch bei uns, nur deutsch sprechend, in die schon bescheidenen Wohnverhältnisse eingepfercht. Um nicht gastunfreundlich zu sein, mußte deutsch gesprochen werden.
Den nächsten Einschnitt brachte die Gründung der LPG. Durch Bildung großer Arbeitsbrigaden, mußte auch hier die durchaus noch vorhandene sorbische/wendische Umgangssprache deutsch werden. Heute wird mit sehr viel Aufwand in Vereinen, Schulen und Kindergärten versucht, unsere Muttersprache nicht aussterben zu lassen.
Die Domowina, Bund Lausitzer Sorben e. V. , ist für das sorbische/wendische Volk der stärkste Partner, um Sprache und Kultur zu erhalten. Durch Bildung von Ortsgruppen in fast allen Orten ist die Verbindung zu allen Menschen erfolgreich organisiert. In Drachhausen kann die Domowina-Ortsgruppe auf eine sehr erfolgreiche Arbeit bis 1950 zurückblicken. Durch eine sehr gute Vorstandsarbeit, sowie durch sehr couragierte Mitglieder, zählt die Domowina in Drachhausen zu den erfolgreichsten Vereinen. Davon zeugen das Organisieren der sorbischen/wendischen Vogelhochzeit, Theatervorstellungen aus Bautzen, Herbstkonzerte, die Unterstützung der Witaj-Kindergartengruppe und sorbische/wendische Veranstaltungen der Jugend, sowie hervorragende Aktivitäten in der Ortsgruppe.
Eine Besonderheit ist die sorbische/wendische Laienspielgruppe in Drachhausen. Aus Anlaß der sorbischen/wendischen Festtage 1998 wurde vom Drachhausener Bürgermeister, Fritz Woitow, und vom Schriftsteller, Juri Koch, diese Gruppe ins Leben gerufen. Sehr erfolgreich wurde die Komödie “Jagar Bagola” (Wilddieb Bagola) mit 12 Auftritten und das Lustspiel “Liza, luba Liza” (Liese, liebe Liese) mit 8 Auftritten in der gesamten Lausitz aufgeführt. Zum 500-jährigen Dorfjubiläum wurde das Volksstück “Serbski kral” (Der wendische König) einstudiert. Die Uraufführung fand dann am 11.06.2004 statt.
Mitwirkende sind seit 1997 bis heute der Schriftsteller und Publizist Juri Koch, der Regisseur vom “Deutsch-sorbischen Volkstheater Bautzen”, Christian Bart, Norbert Goschmann als Beleuchtungs- und Tontechniker, Manfred Lottra als Bühnentechniker und neuerdings auch Schauspieler. Die Schauspieler sind Silke Mehlisch, Regine Lottra, Erhard Lottra, Werner Lehmann und Fritz Woitow. Um organisatorische Angelegenheiten kümmert sich Bärbel Apelt und unterstützt die Schauspieler als Souffleuse. Meine Überzeugungsarbeit zum Mitmachen in der Theatergruppe, trug gute Früchte. Werner Lehmann erkannte sofort die Situation und antwortete mir: “Ja Bürgermeister, ich mache mit, aber reich werden wir wohl dabei nicht werden, aber vielleicht berühmt.” Damit hat er Recht behalten.
