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Es war einmal in Peitz 

Es war einmal in Peitz (Teil 1 - Peitz vom 14. bis 18. Jahrhundert)

Im Verlauf des 14. Jahrhunderts wird Peitz noch als Pyzne oder Peice erwähnt. Wegen kriegerischen Wirren in der böhmischen Lausitz stellen sich im Jahr 1431 die Schenken von Landsberg - Lehnsinhaber von Peitz - unter brandenburgischen Schutz. Damit wird die Übernahme der Herrschaft Peitz durch die Hohenzollern vorbereitet. Andere niederlausitzer Städte folgen dem Peitzer Beispiel. Ein daraus entstehender Konflikt endet mit der Unterzeichnung des "Gubener Friedens" zu Pfingsten 1462. Im Ergebnis dieses Friedensvertrages kommt das Peitz - Cottbuser Gebiet (Herrschaft Peitz und Cottbus) neben anderen kleineren Gebieten zu Brandenburg - Neumark und ist bis 1806 eine brandenburgische Exklave in der böhmischen, später sächsischen Niederlausitz. Mit dem Tod des brandenburgischen Kurfürsten Joachim I im Jahr 1535 kommt es zur Teilung Brandenburgs. Joachim II wird Kurfürst der Mark, sein jüngerer Bruder Johann von Küstrin Markgraf der Neumark und damit auch von Peitz. Unter Johann wird 1537 die Reformation in der Exklave eingeleitet. Bald danach plant der Markgraf in Peitz eine Festung anzulegen. Diese Fortifikation ist neben den Festungen in den Residenzstädten Spandau und Küstrin die dritte in Brandenburg. In Vorbereitung zum eigentlichen Festungsbau lässt Johann südöstlich von Peitz umfangreiche Teiche anlegen.  Für die Speisung der Teiche dient ein künstlicher Nebenarm der Spree. Ein Eisenhütten- und Hammerwerk, welches vornehmlich als "Rüstungsbetrieb" gedacht ist, gründet Johann unmittelbar an diesem Nebenarm, um die Wasserkraft zu nutzen.

Aus diesem Grund führt der Spreearm die Bezeichnung Hammergraben.

Ab 1559 wird unter Verwendung der alten Burganlage die Zitadelle (Oberfestung) errichtet und im Dezember 1562 fertiggestellt. Bis 1595 errichtet man die Stadtumwallung, die sogenannte Unterfestung.

Bedeutende italienische Architekten, unter ihnen Graf Rochus von Lynar, sind mit der Planung der Festungsanlage betraut.

Nach Fertigstellung gilt die Festung Peitz als "Uneinnehmbar".

Ein ganz großer Stadtbrand vernichtet 1610 sämtliche Bürgerhäuser, Kirche und Rathaus. Die Festungswerke werden nicht zerstört.

Während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) suchen viele Adlige Beamte und sogar Äbte des Klosters Neuzelle in Peitz Schutz, im Winterhalbjahr 1636/37 sogar der brandenburgische Kurfürst Georg Wilhelm mit seinem Hofstaat. Die kleine Stadt kommt also zur Ehre, kurz Hauptstadt von Brandenburg zu sein.

Die Festung Peitz hat nicht nur eine rein militärische Funktion, sondern dient auch als Staatsgefängnis. Der Königsberger Schöppenmeister Roth - er wird 1663 nach Peitz in Haft gebracht und stirbt hier 1679 - sowie Staatskanzler von Danckelmann sind die berühmtesten Gefangenen.

Anfang des 18. Jahrhunderts - im Jahr 1701 - kommt es zur Gründung des Königreichs Preußen, wozu Brandenburg als Kernland und damit auch Peitz gehört. In der Zeit der schlesischen Kriege beabsichtigt Preußen, die inzwischen vernachlässigte bzw. unmoderne Festung zu erneuern bzw. erweitern. Die Planungen dazu stammen vom Festungsingenieur Generalmajor Walrave aus der Zeit um 1744. Vor allem aus Geldmangel kann der Plan nicht konsequent ausgeführt werden. Während des Siebenjährigen Krieges (1756-63), auch als 3. Schlesischer Krieg bezeichnet, muß die Peitzer Garnison zweimal vor feindlichen österreichischen Truppen kapitulieren. Über die Kapitulation im Sommer 1759 berichtet der Amtsmann und Kriegsrat Peckolt folgendes: "...Am folgenden Tag (28. Aug.) wurde die Festung mit verschiedene kayserl. Bataillons besetzt, und am 14 ten Septbr. Maschirte sämtliche feindliche Garnison aus Abends um 7 Uhr, und hatten an denen Festungs Wercken viel Pulver und Tonnen geleget, um selbige gäntzlich zu sprengen; durch Gottes sonderbare Schickung aber mußte ein starcker mit erschrecklichem Donner vermischter Regen diesem großen Unglück vorkommen, und wurde ein Oesterreichischer Rittmeister von einem Wetter Strahl gleich bey der festung getödtet. ..." (Franz Groger: Urkundl. Geschichte der Stadt und ehemaligen Festung Peitz, Peitz 1913, S.533 f)

Mit Ausgang des Siebenjährigen Krieges verliert die Peitzer Fortifikation strategisch an Bedeutung, so dass König Friedrich der Große im Jahr 1767 den Befehl zur Schleifung (Abbruch) der Festungsanlage gibt.

Es war einmal in Peitz (Teil 2 - Vom 18. Jahrhundert bis ins neue Jahrtausend)

Nach dieser Zeit kommt es in Peitz zur Ansiedlung sächsischer Tuchmacher. Für deren Unterbringung werden teilweise ehemalige Festungsgebäude umgebaut. Andere Festungswerke werden als "Steinbruch" genutzt, um die im Jahr 1758 bei einem Stadtbrand vernichteten Häuser neu zu errichten.

Die Peitzer Tuchmacher entwickeln in Peitz eine besondere Wirtschaftskraft. Diese Entwicklung wird am Anfang des 19. Jahrhunderts gestört. Die Napoleonischen Kriege bringen auch für Peitz Belastungen mit sich.

Für kurze Zeit - 1806 bis 1813 - fällt der Cottbuser Kreis und damit Peitz zu Sachsen. 1809/10 wird auf dem Peitzer Eisenhüttenwerk nach preußischen Plänen eine neue Hochofen- und Gießereihalle errichtet.

Unmittelbar nach der Übernahme des Werkes durch die Preußen wird hier Munition für die Völkerschlacht bei Leipzig gegossen. Bis Mitte des 19. Jahrhundert entwickelt sich das preußische Eisenhüttenwerk stets weiter. Mit der industriellen Revolution erfährt das Werk einen Niedergang. Lediglich für den regionalen Bedarf wird bis 1898 noch in Peitz Eisen gegossen.

Die Peitzer Tuchmacher entwickeln sich im 19. Jahrhundert so vorteilhaft, dass sich aus den Kleinbetrieben ein Industriezweig entwickelt. 1837 wird in der Spinnerei Berger eine Dampfmaschine aufgestellt. In dieser Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs entwickelt Peitz ein völlig neues Stadtbild.

 So kommt es zum Bau einer neuen evangelischen Kirche (1854 - 1860) nach den Plänen des bedeutenden Architekten Friedrich August Stüler. Nach Fertigstellung des Neubaus wird die alte Stadtkirche abgebrochen und es entsteht an gleicher Stelle ein großer Marktplatz. Das im Jahr 1804 fertiggestellte Rathaus bekommt einen zum Marktplatz hin zugewandten Schaugiebel im Tudorstil. Aus dem Abbruchmaterial der alten Kirche wird 1863 eine neue Stadtschule errichtet. In den 1870er Jahren bekommt die Stadt Anschluss an die Eisenbahnlinien Cottbus-Peitz/Ost- Guben- Frankfurt an der Oder sowie Cottbus- Peitz/ Stadt- Grunow- Frankfurt an der Oder. Die Einwohnerzahl steigt in der Stadt auf 4.500. Am Ende des 19. Jahrhunderts stagniert die städtische Entwicklung; die Einwohnerzahl geht zurück. Trotz Gründung vieler kleinerer Gewerbebetriebe setzt sich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts die negative Entwicklung fort. Erst in den 1930er Jahren kommt es mit der Ansiedlung des Rüstungsbetriebes "Raspe" zu einem Anstieg der Bevölkerung und damit verbunden zu einer Erweiterung der Stadt. Während des Zweiten Weltkriegs kommt es in Peitz zu keinen größeren Zerstörungen.

Nach dem Krieg kommen Flüchtlingsströme vor allem aus den ehemals schlesischen bzw. ostbrandenburgischen Gebieten auch in die Peitzer Gegend. Dadurch wächst die Stadt erneut. Es kommt hier auch zu einem Aufbau einer katholischen Kirchengemeinde. Ende der 1960er Jahre baut sich diese Gemeinde die Pfarrkirche "St. Josef".

 In den 1970er Jahren kommt es östlich vom Bahnhof Peitz/ Ost zur Erbauung des Kraftwerks Jänschwalde. Damit verwandelt sich Peitz in eine Großbaustelle. Für die Unterbringung des Kraftwerkspersonals wird ein Neubaugebiet errichtet. Gleichzeitig kommt es allerdings zur Vernachlässigung der Altstadt.

Nach der politischen Wende 1989/ 90 kommt es zur Schließung vieler Betriebe. Eine positive wirtschaftliche Entwicklung erfährt vor allem das Kraftwerk Jänschwalde sowie der Bürobedarfshersteller "Falken".

Die historisch wertvollen Baudenkmäler sowie die Altstadt Peitz werden schrittweise saniert bzw. restauriert.

Die Stadt Peitz hat heute etwa 4.569 Einwohner.

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