Sie sind hier: Aktuelles

Drachhausener ehren Martin Grüß: der 9-Tonnen-Stein, die Gedenktafel und eine eindrucksvolle Feierstunde

Direkt neben dem Drachen in der Dorfmitte von Drachhausen steht seit kurzer Zeit ein großer Stein. Ein Teil der Vorderseite war am 6. Oktober 2018 mit der blau-rot-weißen Fahne der Domowina verhüllt. Einwohner, Gäste und Sponsoren hatten sich vor dem Gedenkstein versammelt.

Frau Elikowska-Winkler, ehemalige Leiterin der niedersorbischen Sprachschule, als Initiatorin und Leiterin des Projektes „Martin Grüß“ und Bürgermeister Herr Fritz Woitow begrüßten die Zuschauer. Musikalisch begleitet wurde die Enthüllung einer Ehrentafel für den wendischen Lehrer und Volksdichter Mjertyn Gryz / Martin Grüß durch das Bläserensemble der Evangelischen Kirche Peitz. Die Tafel enthält in Wendisch und Deutsch Geburts- und Sterbedaten sowie die Anschrift seines Elternhauses im Drachhausener Süden. Noch heute wird diese kleine Ansiedlung Gryz genannt. Ein kurzer Überblick zur Person Martin Grüß folgte und mit einer weiteren Darbietung des Bläserensembles endete der erste Teil des Festaktes.

Nach kurzer Fahrt oder einem gute 5 Minuten langen, sonnigen Spaziergang erreichten alle das Heimatmuseum Kolasko. Zum zweiten Teil der Ehrung für Martin Grüß standen im Saal zwei lange Tischreihen bereit. Es dauerte nur wenige Minuten, bis auch der letzte Platz besetzt war. Flink wurden noch weitere Tische geholt und bestuhlt, selbst an der Wand entlang wurden alle Reservestühle belegt.

Frau Elikowska-Winkler führte durch die Feierstunde. Sie begrüßte alle Gäste und Ehrengäste, darunter die Amtsdirektorin Frau Hölzner und den Vorsitzenden des Domowina-Regionalverbandes der Niederlausitz Herrn Koinzer. Besonderer Dank galt den Sponsoren, u.a. Teichlandstiftung, Sorbisches Institut, Domowina, Amt Peitz, Evangelische Kirche, Sparkasse Spree-Neiße und Gemeinde Drachhausen. Ebenso wandte sich der Bürgermeister Herr Woitow mit einer kurzen Ansprache an die Anwesenden. Er ergänzte, dass das Kran- und Transportunternehmen Lobeda den Gedenkstein an seinen Platz befördert hat.

Leben, Geschichte und Werk  von Grüß sind sehr anschaulich mit Urkunden, Texten, Karten und Originalhandschriften   in einer vom Niedersorbischen Sextett herausgegebenen Gedenkbroschüre zu Mjertyn Gryz / Martin Grüß nachzulesen. Wie diese Broschüre sind auch zwei große Informationstafeln im Vorraum des Museums in Wendisch und Deutsch verfasst.

Die gesamte Feierstunde wurde abwechselnd vom Bläserensemble und zwei  Sängerinnen des Niedersorbischen Sextetts umrahmt. Letztere sangen wendische Lieder, gut verständlich und musikalisch auch dann ein Ohrenschmaus, wenn man die Sprache nicht beherrscht.

Einen Gaumenschmaus mit Kaffee und Blechkuchen hatte die Domowina-Ortsgruppe jetzt als kleine Stärkung bereit, bevor der Vortrag zu Leben und Wirken von Martin Grüß begann.

Herr Wieczorek, Chefredakteur des niedersorbischen „Nowy Casnik“, betrachtete nicht nur die Biografie des ehemaligen Drachhausener  Einwohners. Er zeigte vor allem die Wirkung des Schaffens von Grüß in und um Drachhausen durch schriftliche Nachweise in Briefen oder Schriften zu Grüß Lebzeiten und danach. Seine Lieder wurden oft gesungen, ob in Drachhausen, Werben oder anderswo. Zu seinen Gedichten hatten sich Mädchen in der Spinte selbst Melodien ausgedacht, Grüß schrieb die Noten dazu auch für andere zum Nachsingen auf.

In den Schulen des Peitzer Schulbezirks wurde Wendisch unterrichtet. Einige Volkslieder und Volksarien von Grüß gehörten zum Lernstoff der Kinder im Peitzer Kirchspiel.

Viele weitere Beispiele hat Herr Wieczorek noch mit Nachweisen belegt. An der großen Leinwand konnte jeder die Quellen mitlesen und Verbreitung und Beliebtheit der Gedichte, Volks- und Kirchenlieder von Grüß nachvollziehen.
Mit Sicherheit könnten die interessanten Beiträge von Herrn Wieczorek zu diesem Thema mehrere Feierstunden füllen! Das würde jeden Zeitrahmen sprengen.

Wir danken Frau Elikowska-Winkler für die Verwirklichung dieses Projektes. Wohl jeder Zuhörer konnte die Erkenntnis gewinnen: Martin Grüß (1818 - 1878) war ein berühmter gebürtiger Drachhausener, dessen Leben und Wirken unser Interesse und unsere Wertschätzung verdienen.

© 2018 Amt Peitz | Startseite | Kontakt | Impressum | Datenschutzerklärung | Seitenübersicht |