Sie sind hier: Gemeinden > Heinersbrück > Geschichtliches

Geschichtliches der Gemeinde

Gemeinde Heinersbrück (Móst)

Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurden die Orte Heinersbrück und Grötsch mit der Kommunalwahl im Oktober 2003 zur Gemeinde Heinersbrück. Der Ort Radewiese gehört als Wohnteil seit 1993 zu Heinersbrück.

In der Gemeinde gibt es seit 2008 ein modernes Gemeindezentrum, welches nach Umbau der einstigen Grundschule nun den Vereinen und Gruppen im Ort zur Verfügung steht. Gleichzeitig befindet sich hier der Stützpunkt der Ortsgruppe der Freiwilligen Feuerwehr mit einem modernen Feuerwehrgerätehaus. In unmittelbarer Nachbarschaft sind auch das Heimatmuseum und der Jugendclub beheimatet. Unweit der Gemeinde gelangt man direkt zum Braunkohletagebau Jänschwalde. Am Aussichtspunkt kann der Besucher zusehen, wie imposante Bagger die Braunkohle in in einer Tiefe bis zu 80 m abbauen.

Die Gründung des Ortes Heinersbrück wird in Überlieferungen mit Heinrich II. in Verbindung gebracht. Mit großer Wahrscheinlichkeit kann der 6. September 1005 als der historische Zeitpunkt (der Ortsgründung) angenommen werden. Zunächst aber mit dem Namen “Henrichsbrugk”. Der Ortssage nach rührt die Bezeichnung durch Heinrich den Städtebauer her. Er ließ eine Art Knüppeldamm (Brücke) erbauen, die für die Überquerung der morastigen Malxe und ihrer Uferregion sehr vorteilhaft war und auch mehrmals bei Feldzügen Heinrichs II. gegen Polen benutzt worden ist.

Die Bedeutsamkeit eines solchen Bauwerkes war schon etwas Besonderes, da Brücken zu der mittelalterlichen Zeit eher selten waren. So wurden erst seit dem 14. Jahrhundert in den Städten Brücken errichtet, Paris besaß nur 2, in Rom gab es nur 3 Brücken, in Venedig gar nur eine, die heute weltberühmte Rialtobrücke. Der Bau des Knüppeldamms blieb offensichtlich auch deshalb ein historisch einmaliger Vorgang. Später wurde er ein wichtiges Element der Infrastruktur beim Abbau von Raseneisenstein, aber auch beim Austausch von Waren aller Art.

Die erste urkundliche Erwähnung von Heinersbrück erfolgte 1411 als Henrichsbrugk. Es gibt zahlreiche Hinweise, die aber auf eine viel frühere Besiedlung schließen lassen.

Ernstzunehmende Quellen belegen, dass im Großraum Heinersbrück bereits während der Zeit der Mittleren Steinzeit, die von 8200 – 5300 v. Chr. datiert wird, Menschen siedelten. Der Ort Radewiese wurde erst 1753 als Kolonistendorf gegründet.

Der Lausitzer Braunkohlen AG (Vattenfall Europe Mining AG) sei Dank, dass im Vorfeld des Braunkohlenbergbaus am Rand des Tagebaus Jänschwalde, im Zuge der “Braunkohlenarchäologie”, bemerkenswerte Funde gemacht wurden. Diese Keramikfunde erhärten die These einer aus heutiger Sicht über 8000 Jahre betragenden Siedlungsgeschichte. Im Zuge der Völkerwanderung, die im 4. Jahrhundert ihren Ausgang nahm, zogen die ursprünglichen Bewohner der Lausitz nach Westen. Von Osten und Südosten wanderten slawische Stämme ins Land und ergriffen etwa im 6. Jahrhundert von der Lausitz Besitz. Das Gebiet der Niederlausitz soll dem Stamm der Lunsizi (auch Lusitzer genannt) besiedelt haben. Die Lunsizi gelten als Vorfahren der Sorben/ Wenden.

(Ouelle: „Heinersbrück-Most“ von Dr. F. Liebo)

 

Weitere Daten zur Geschichte des Ortes:

963            die slawisch/wendischen Bewohner gehörten zum deutschen Reich

11. Jh.        Heinrichsbrugk ist als deutsche Siedlung mit dem starken Nachbarn Brandysa Bestandteil der Lausitz, die damals selbständige Markgrafschaft war

1002-1031   Heinrichsbrugk im Margrafentum Lausitz war mehrfach Objekt  militärischer Auseinandersetzungen zwischen der deutschen und der polnischen Krone

1034           Zugehörigkeit von Heinrichsbrugk zum Hause Wettin

1117            Kaiser Heinrich der V. Belehnt GrafWiprecht von Gritzsch mit der Niederlusitz, Graf Wiprecht wird Lehnsherr von Heinrichsbrugk, das inzwischen mit der slawischen Siedlung Brandysa   vereinigt ist

1370/1364   Kaiser Karl der IV: erwarb die Niederlausitz einschließlich Heinrichsbrugh für Böhmen

29.08.1411  erste urkundliche Erwähnung als Heinrichsbrugk

1462           die Herrschft Cottbus fällt mit der Herrschaft Peitz an die Hohenzollern (Brandenburg/Preußen), zur Herrschaft Peitz gehört Heinrichsbrugk Bildung einer Cottbuser Insel (Lanale) in der  böhmischen Niederlausitz

1571           die Enklave Cottbus mit der Herrschaft Peitz einschließlich des Amtsdorfes Heinrichsbrück gehören zur Kurmark Brandenburg

1742           Amtsdörfer mit Heinersbrück gehören endgültig zu Preußen

1807-1815   bei Cottbus eine starke sächsische Heeresabteilung, von der Soldaten einer Infanteriebrigade in Heinersbrück Quartier machten, Heinersbrück zeitweise sächsisch

1816           Heinersbrück gehört zum Regierungsbezirk Frankfurt/Oder der Provinz Brandenburg/Preußen

1819           Separation, d.h. eine Maßnahme zur Flurbereinigung wurde ernannt

1871-1945   Königreich Preußen gehört zum Territorium der Niederlausitz und zum Deutschen Reich, Regierungsbezirk ist Frankfurt/Oder, Heinersbrück gehört zum Kreis Cottbus

1945           Gebiet der Niederlausitz verbleibt in der Sowjetischen Besatzungszone und zum Land Brandenburg, somit zur DDR

1952           nach der Verwaltungsreform ist die Niederlausitz fast identisch mit dem Bezirk Cottbus, Heinersbrück wird dem Kreis Forst zugeschlagen

1990           das Land Brandenburg entsteht neu, die Niederlausitz gehört auch dazu

Wer mehr über die Geschichte von Heinersbrück wissen möchte, von den Menschen und ihren Erlebnissen, dem sei an dieser Stelle das Buch von Dr. Friedrich Liebo „Heinersbrück-Most- wie es war“ empfohlen. Liebevoll recherchierte der Autor und vermittelt neben Geschichte und Geschichten viel Wissenswertes über die für die Lausitz so typische sorbisch/wendische Kultur und Tradition.

Das Buch können Sie käuflich erwerben:
im Kultur- und Tourismusamt Peitz

Einwohnerzahlen  

           1652         250
           1818         336
           1850         546
           1887         651
           1925         703
           1938         810
           1971         709
           1980         619
           1995         600 (mit Radewiese)
           2003         617 (mit Radewiese)
           2004         699                                                        
           2005         694
           2006         682
           2007         673
           2008         665
           2009         642
           2010         633

Größe des Gemeindegebietes:  

1869             4311 Morgen
1900             1413 Hektar

bisherige Bürgermeister:    

Gerhard Schorback      von 1990   bis   1993
Helga Schluzy              von 1993   bis   1996
Regina Lindner             von 1996   bis    2003
Uwe Lindner                 von 2003   bis    2008
Horst Gröschke            seit 2008

weitere interessante Daten

- 1814  Bau der Schule

- 1900/01 Neubau der Backsteinkirche in neugotischem Stil anstelle einer Fachwerkkirche (1739/40) errichtet, wurde im II. Weltkrieg stark beschädigt und erst 1985/87 saniert und der Turm neu eingedeckt

- im September 1999 feierliche Einweihung der Steinmeyer-Orgel, welche 1939 erbaut wurde und ein Geschenk der Erben des Berliner Großbäckers Erich Dahm (1904-1997) an die Gemeinde ist

- 1935 wird letztmalig die wendische Hochzeit original gefeiert, heute wird sie zu besonderen Jubiläen originalgetreu nachgestellt

- 1979 in der alten Schule wurde das kleine Museum „Sorbische Bauernstube“ eröffnet

- die Poststelle im Ort wurde am 16.01.1995 geschlossen

- 75 Jahre Freiwillige Feuerwehr Heinersbrück: am 27./28. Juni 1998 fand aus diesem Anlass der Amtsausscheid der Feuerwehren (Jugend, Männer, Frauen) in Heinerbrück statt mit Festveranstaltung, Festumzug und Schauvorführungen der Wehren

- nach 1990 erhielt das Kirchenschiff ein neues Dach und die Fenster Bleiverglasung

- der Wohnteil Sawoda bedeutet niedersorbisch soviel wie „am Wasser gelegen“

 
© 2018 Amt Peitz | Startseite | Kontakt | Impressum | Seitenübersicht |