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Die Kirche St. Laurentius in Drachhausen

 

Egal aus welcher Richtung man in das Dorf kommt: Die imposante Dorfkirche – mit einem Alter von gut hundert Jahren fast noch ein Kirchenneubau - prägt mit ihrem Glockenturm Drachhausen. Ihr Vorgänger war keinesfalls so stattlich. Er war ein einfacher Fachwerkbau aus der Barockzeit. Auch in der Barockzeit gab es, wie hier, schlichte Kirchen! Und in Drachhausen sogar ohne Turm. Die Glocken mussten in einem kleinen, neben der Kirche stehenden, Glockenstuhl hängen. Schuld daran war der Sage nach ein Drache - wie kann es in Drachhausen auch anders sein- der kein Glockengeläut mochte.

Der eigentliche Grund war aber wie so oft das Geld. In Drachhausen gab es nie einen adeligen Grundherren wie in vielen anderen Dörfern. Solche Grundherren hatten in der Regel eine Menge Geld. Meist hatten sie auch das Patronat für ihre Kirche übernommen und gestalteten die Gotteshäuser entsprechend herrschaftlich aus. Wie zum Beispiel in Peitz musste auch in Drachhausen der König- also der Staat- als Patron einspringen. Und der Staat sparte an solchen Stellen fast immer, besonders aber nach Kriegszeiten.
Beginnen wir aber von vorne und der Reihe nach: Die älteste Nachricht über ein Kirchengebäude in Drachhausen stammt aus dem Jahr 1513. Es ist überliefert, dass sie dem heiligen Laurentius, einem Märtyrer aus Rom, geweiht war. Sicherlich mit der Reformation, in unserer Gegend um 1537, ging dieser Name für die Drachhausener Kirche verloren. In der Drachhausener Kirchenmatrikel (Verzeichnis, Liste) von 1694 heißt es über die Kirche etwas widersprüchlich, dass sie aus Holz gemauert war. Das Dach war mit Ziegeln gedeckt. Und die Kirche hatte einen Turm mit zwei Glocken! Sie war also doch ein recht respektabler Bau. Im Jahr 1722 kam es dann zur Errichtung einer neuen Kirche. Dieses Gebäude hatte, wie sich bei einer im Jahr 1894 durchgeführten Fundamentuntersuchung herausstellte, wieder einen Turm.

Kirche Drachhausen innen

Eine Chronik berichtet aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges folgendes über Drachhausen:
“Am 13. August 1759 ist das ganze Dorf Drachhausen durch Kayserliche Deserteure- zwar justiment Lobtantz- abends um 9 Uhr abgebrannt. In 1 ½ Stunden lag das schöne große Dorf, Kirche und Schule, bis auf das Königliche Vorwerk und etliche Scheunen in der Asche; zwey schöne Glocken mußten zerschmelzen. O Elend!”
 Die bereits erwähnte turmlose Fachwerkkirche, von der eine historische  Fotografie erhalten blieb, errichteten die Drachhausener 1773 in der schwierigen Nachkriegszeit. Bei einem Großbrand am 25. Mai 1786 blieb diese Kirche wie durch ein Wunder erhalten. Aber schon 1871, etwa hundert Jahre nach ihrer Erbauung, verhandelten die Drachhausener mit der königlichen Regierung wegen eines Kirchenneubaus. Wie eingangs bereits erläutert, war der Staat zur Sparsamkeit angehalten und so zogen sich die Verhandlungen hin. Im Frühjahr 1894 konnten endlich die Baupläne genehmigt werden und das Ministerium für geistige Angelegenheiten erteilte die Anweisung zur Bauausführung. Am 27. März 1894 wurde die alte Kirche zum Preis von 351 Mark an fünf Drachhausener zum Abbruch verkauft. In der kurzen Zeit vom 16. bis 20. April konnte das Vorhaben realisiert werden. Am 6. August kam es zur Grundsteinlegung für die neue Kirche. Dabei wurde neben den üblichen Urkunden, Münzen und Zeitungen auch ein Fläschchen Korn eingemauert. Bereits am 17. November des selben Jahres feierte die Kirchengemeinde das Richtfest für das Kirchenschiff. Im darauf folgenden Frühsommer kam es zur Fertigstellung des Turmes und am 21./22. Juni erfolgte die Aufsetzung des Kreuzes.

Im August wurden drei neue Glocken aus der Werkstatt des Leipziger Glockengießers Jauck geliefert. Die alten Glocken verkaufte man für 505 Mark nach Striesow. In den Monaten September und Oktober erfolgten der Einbau der Turmuhr, des Gestühls, der Kanzel und des Altars. Als letztes wurde die Orgel vom Eilenburger Orgelbauer Conrad Geissler geliefert und innerhalb von 15 Tagen aufgestellt. Am 20. Dezember 1895 fand dann die Weihe durch Generalsuperintendent Dr. Braun aus Berlin statt. Durch den besonders großen Einsatz der Drachhausener- sie mussten vor allem sogenannte Hand- und Spanndienste leisten- konnte somit in kürzester Zeit eine der größten Dorfkirchen der Region gebaut werden.
Das folgende Jahrhundert ging fast spurlos am Drachhausener Gotteshaus vorbei. Im ersten Weltkrieg mussten
die beiden größeren Glocken sowie die Prospektpfeifen der Orgel für Kriegszwecke abgegeben werden. Zwei neue Bronzeglocken konnten bereits 1925 von der berühmten Firma Schilling in Apolda beschafft werden. Als diese im zweiten Weltkrieg für Kriegszwecke beschlagnahmt werden sollten, reagierten die Drachhausener zugleich umsichtig und verschlagen: “Bei uns hängen nur Eisenglocken!”, sollen sie damals dem für die Beschlagnahmung Verantwortlichen gesagt haben.

Kirche Drachhausen innen 1

In der Nachkriegszeit gingen die schönen Bleiglasfenster der Apsis verloren. Ansonsten überstand das Gotteshaus aber diese “Bilderstürmerzeit” ganz glimpflich. Pläne zum Überstreichen der schönen Malereien im Innenraum, die vor allem seit den 1980er Jahren in manchen Köpfen reiften, vereitelte zunächst der Braunkohlebergbau. Der Ort lag teilweise im Bergbauschutzgebiet und sollte einem Tagebau weichen. Somit lohnte es sich auch nicht, viel Geld und Mühe in eine Kirche zu investieren, die sowieso vom baldigen Abriss bedroht war. Ein vom Staat verordnetes Bauverbot gab es ohnehin. Im Jahr 1992 wurde das Bergbauschutzgebiet aufgehoben- Gott sei Dank! Dafür gab es aber für das wertvolle Gotteshaus einen anderen staatlich verordneten Schutz. Die Kirche wurde zum Baudenkmal erklärt. Damit wurden die Weichen für eine einfühlsame Restaurierung beziehungsweise Rekonstruktion gestellt.
Ein kleines Unglück, welches irgendwie an die oben erwähnte Sage erinnert, traf die Kirche im Jubiläumsjahr, am 29.September 1995.
Bei einem Gewitter wurde der Kirchturm von einem kalten Blitzschlag erheblich beschädigt. Dadurch konnte und musste die ohnehin nötige Turmreparatur durchgeführt werden. Die Glocken überstanden das Unglück ohne Schaden zu nehmen. Trotzdem mussten sie ausgerechnet zur Einhundert- Jahr- Feier der Kirche schweigen.
Heute zeigt sich das Innere der Kirche im alten Glanz. Malerei, Kronenleuchter und Orgel sind restauriert, die Apsisfenster rekonstruiert. Kulturhistorisch ist die Kirche in ihrer fast originalen Gestalt ein Leckerbissen.

Zum Schluss noch einige Bemerkungen zu den pfarramtlichen Verhältnissen. Bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte Drachhausen mit Fehrow zur Peitzer Parochie (Pfarrbezirk) und wurde in der Regel vom Diakonus, dem zweiten Pfarrer von Peitz, betreut. Im Jahr 1854 kam es dann zur Bildung der Parochie Drachhausen, zu der dann auch Fehrow gehörte. Ein Pfarrhaus entstand in Drachhausen 1860. Dieses Pfarrgrundstück steht heute unter Denkmalschutz.
Bis 1980 existierte das Drachhausener Pfarramt. An dieser Stelle soll ein Namen genannt werden: Pfarrer Hans Kock. Er war über 40 Jahre Inhaber der Pfarrstelle Drachhausen und wirkte hier rund ein halbes Jahrhundert, auch nach seinem Ruhestand. Nach 1980 kam es zur Teilung des Pfarrsprengels. Fehrow wurde dem Briesener Pfarramt zugeordnet und Drachhausen wird seitdem von Peitz betreut.
Dirk Redies

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