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Das Drewitzer Raubtier

Vor vielen hundert Jahren, als die Sprachgrenze zwischen den Dörfern Drewitz und Grabkow lag, soll sich folgende Geschichte zugetragen haben: Die Bewohner beider Dörfer hatten keinen Kontakt miteinander; nur zur Schafwäsche und zum Fischfang trafen sie sich am Pastlingsee, der je zur Hälfte den beiden Ortschaften gehörte. Eine sprachliche Verständigung war fast unmöglich, weil die Drewitzer sorbisch und die Grabkower deutsch sprachen.

Nun entstand in Drewitz infolge großer Nässe auf den Feldern eine große Mäuseplage im Dorfe. Die Nager nisteten sich in den mit Getreide gefüllten Scheunen der Bauern häuslich ein und zerstörten die aufgespeicherten Körner.

Aus Angst vor einer sicheren Hungersnot schickten die Drewitzer eine Delegation nach Grabkow, nachdem sie in Erfahrung gebracht haben, dass die dortigen Bewohner ein Tier besitzen, das Mäuse frist.

Dieses seltsame Tier nannten die Grabkower "Katze". Ohne Murren wurde den Bittenden ein niedliches Kätzchen geschenkt. Voll Freude und Dank zogen sie, die Beute im Kober (Kobela genannt) gut verstaut, nach Hause und sperrten sie in die Scheune. Und siehe da ! Nach wenigen Tagen war die Scheune mäuseleer, und das tägliche Brot war gesichert. Nachdem nun die beiden Nachbarscheunen der Besitzer Cloaß und Zech gesäubert waren, beratschlagten die Bauern, was sie dem Tier zu fressen geben sollen, wenn es keine Mäuse im Dorf mehr gäbe.

Da schickten sie dieselbe Delegation wieder nach Grabkow, um zu erforschen, was die Katze frisst, wenn es keine Mäuse mehr gibt. Die Verständigung war schwer. Wiederholt fragten die Drewitzer: "Co ta kotzka zero, gaz te mysy ßu se (was frisst die Katze, wenn die Mäuse alle sind)? Verdutzt standen die Grabkower achselzuckend vor ihnen und staunten sich gegenseitig schmunzelnd an. Endlich rief ein Grabkower den Drewitzern ein lautes "WAS?" zu.

Darauf wandten sich die bittenden eiligst um und liefen im Laufschritt davon und ließen die Grabkower verblüfft zurück. Diese konnten sich das plötzliche Entweichen nicht erklären.

In Drewitz angekommen riefen sie eiligst alle Dorfbewohner zusammen und beratschlagten, wie sie am besten dieses grausame Raubtier, das da in der Scheune ist, vernichten können. Vom Herdfeuer wurde eine Lunte geholt, und in wenigen Minuten war von der Strohscheune und der Katze (Kotzka) nur ein Häufchen Asche zu sehen.

Doch nun zu der Frage: Warum ist diese Delegation so unerwartet aus Grabkow fortgelaufen?

Das Wort "WAS" bringt die Erklärung. Dieses Wort gibt es auch in Sorbisch und heißt ins Deutsche Übersetzt "EUCH". Also aus Angst vor dem sicheren aufgefressen werden musste die arme Kotzka den qualvollen Tod erleiden.

Quelle: Chronik der Gemeinde Drewitz Fischer/Dabo

 
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