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Wie mag Jänschwalde entstanden sein?

nach Angaben eines Artikels von Herrmann Worch, Jänschwalde

 

R. Lehmann schreibt in seinem Buch „Geschichte des Wendentums in der Niederlausitz": Jänschwalde ist im 13. Jahrhundert durch deutsche Siedler entstanden. Dies mag zutreffen. Sein sorbischer Name ist Jansojc (sprich Janschoiz). Das heißt auf deutsch: das dem Jan oder Jansch oder Jänsch Gehörige. Diese Namen sind von Johann abgeleitet. Da Johann aber ein christlicher Vorname ist, muss der Träger Christ gewesen sein, und die Gründung kann erst nach Einführung des Christentums, also im Zeitalter der deutschen Eroberungszüge in die slawischen Gebiete , erfolgt sein. Was ihm gehörte, war Sumpfwald, geografisch gesehen ein Teil des Spreewaldes. Dieses Malxebruch war zunächst unpassierbar und zwang die Ostwanderer zu Umwegen über Lübben und Forst. Zu Anfang unseres Jahrtausends dürfte aber auch schon ein Weg von Cottbus über Peitz nach Guben bestanden haben. In dessen Nähe entstand dann mitten im Walde eine Siedlung unter Leitung eines Jänsch, also Jänschwalde. 1544 nennt das Peitzer Amtsbuch den gesamten Bruchwald den "Jänschwaldischen Wald". Im Jahre 1346 wird Jänschwalde in der so genannten Meißener Matrikel als Kirchdorf erwähnt, das an das Bistum 3 Groschen Kirchensteuer zu zahlen hatte. In dieser Urkunde wird der Name G e n s c h w a l d e geschrieben. So wurde er geschrieben, aber wie er gesprochen wurde, ist daraus nicht zu ersehen. Jeder Schreiber hatte damals seine eigene Orthographie. G und J im Anlaut werden auch heute noch in manchen Gegenden verwechselt. So finden sich verschiedene Schreibweisen für unser Dorf. 1484 schreibt man Gentzwalde, 1554 Jenischswalde und Jenßwalde, 1775 Genschwalde, 1784 Jaenischwalde, im ersten Poststempel Jänischwalde. Der sorbische Name, der ja höchst selten mal geschrieben würde, ist Jansojc geblieben.

Wenn Jänschwalde 1346 schon eine Kirche gehabt hat, muss seine Entstehung noch weiter zurückliegen, mindestens, wie schon erwähnt, im 13. Jahrhundert. Die Kirche wird ja nur ein größeres Blockhaus mit Schilfdach gewesen sein. Die älteste Glocke mit dem Namen MARIA soll aus dem 15. Jahrhundert stammen. Leider trägt sie keine Jahreszahl. Jänschwalde entstand auf einer halbmondförmigen; flachen Talsandinsel in dem Sumpfgebiet der Malxeniederung. der Rand dieser Insel wurde bebaut. Die alten Häuser waren auf großen Findlingen ruhende Blockhäuser mir Schilfdach. Keller konnte man nicht graben, denn das Grundwasser stieg, wenn das Bruch voller Wasser war. auch im Dorf bis an die Oberfläche. 1700 heißt es in einem Protocollum des Amtes Peitz: "Jänschwalde hat 1 Schulze, ein Krüger, 3 Bauer, worunter aber 1 wüste, 12 Kossäten und 2 Büdtner". Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren 7 Hofstellen wüste, das heißt ausgestorben und 2 abgebrannt. Das Jahrbuch des Vereins für die Geschichte der Neumark berichtet im Jahrbuch 1926/28 in einem "Die Klassifikation von 1718/19" überschriebenen Beitrag von P. Schwartz über Jänschwalde: 5 Bauern, 13 Gärtner (.Kossäten ), 5 Büdner: Hier sind sogar die Namen der Hofbesitzer angegeben. Das alte Angerdorf hatte sich bis dahin nur um eine Hofstelle am Südausgang erweitert. Auf dem Dorfanger befanden sich bis in unser Jahrhundert hinein 6 größere und kleinere Teiche, deren Auswurf man zur Erhöhung der Dorfstraße, des an der Kirche gelegenen Friedhofes und deren Höfe verwendete.

Während der friederizianischen Kolonisation im 18.Jahrhundent hat sich das alte Dorf am Nordende um einen Hof und an der Straße nach Cottbus um 10 Höfe erheitert. 1875 hat es schon 45 Hausnummern. Die Gehöfte von 46 an liegen im Ausbau oder am Dorfrand. Jänschw-alde wird Amtsdorf. Die Stadt Peitz erhielt im Jahre 1357 das Straßenprivileg für die Durchquerung des Malxebruches und eine Zollstelle. Aus dieser wuchs dann das "Städtlein Peitz" mit Amt und Domäne, der 11 Dörfer "zuständig" waren, darunter Jänschwalde, wo ein Vorwerk und eine Schäferei eingerichtet wurden.

Der Hof des Vorwerkes umfasste die heutigen Hausnummern Hauptstraße Nr. 26 - 29 im Dorfe. Die Schäferei entstand außerhalb des Dorfes, heute Grundstück, Lindenstraße Nr. 10. Nach der Entwässerung des Malxebruchs und der im Jahre 1789/90 vollendeten Abholzung des Bruchwaldes entstand eine große, für die weitere Besiedlung nutzbare Fläche. Die Neumärkische Kammer plante bereits 1753 eine neue Siedlung bei Jänschwalde. Im August wurden 120 Morgen von der Bauernhutung für 15 anzusiedelnde Familien abgetrennt und vermessen. Die Bauern verhielten sich ruhig, da sie ausreichend Hutung hatten. Eine Nachweisung von 1777 nennt 13 stabilisierte Kolonisten, Sie waren sämtlich aus Sachsen: 3 aus Horno, je 1 aus Dotten, Beitsch, Luga, Köthen, Dubrau, Bärenklau, Reichersdorf, Kübeln. Jamlitz, b. Pförten und Gassen. Zwei waren Schuster, die übrigen Tagelöhner. 1799 nennt das Dienstregister nur 12 Kolonisten.

Wie eine Karte zeigt, lagen die Gehöfte der Kolonisten teils südlich, teils nördlich der Schäferei. Darum nennt sie das alte Kiefernbuch: „in den Buden an der Schäferei". Im allgemeinen wurde der neu entstandene Ortsteil jedoch als "Kolonie" bezeichnet. Die Kolonisten konnte natürlich von ihrer kleinen Wirtschaft nicht leben. Sie suchten, soweit sie nicht Handwerker waren, ihren Unterhalt als Schäferknechte, Waldarbeiter oder Tagelöhner auf dem Vorwerk und bei den Bauern, wo sie im Sommer beim Graben und Mähen und im Winter beim Dreschen nötig gebraucht wurden. Die Kinder, von denen gewöhnlich eine große Zahl vorhanden war, mussten sich zeitig ihr Brot selbst verdienen. Erst mit dem Bau der Bahn gab es für viele Männer mehr baren Verdienst. Und als sie verkehrte, fanden viele Beschäftigung als Bahnarbeiter oder Schrankenwärter. Durch die Parzellierung einiger Bauernwirtschaften und des Wiesengutes Friedrichshof und durch Verpachtung von Ländereien der Oberförsterei und Pfarre bot sich Gelegenheit, die kleinen Betriebe zu vergrößern. Es siedelten sich Bauernsöhne des Dorfes in der Kolonie an, Eisenbahner und Waldarbeiter bauten sich dort Fachwerkhäuschen, und so wuchs um die einsame Schäferei die Kolonie Jänschwalde zu einem stattlichen Dorfteil mit über 80 Gehöften heran. Bei der Einführung der Hausnummern bekam aber nicht die Schäferei, sondern die Schenke die Nummer eins. Auch eine Folge der Entwässerung des Bruches war die Auflösung des Amtsvorwerkes. Das Grundwasser senkte sich auch im Sander, auf dem das Vorwerk seine besten Acker hatte. Am 30.03.1784 befahl deshalb die Kriegs-und Domänenkammer die Vergebung des Vorwerkes für 286 Taler, 3 Groschen und 8 Pfennigen an die bisherigen Zeitpächter in Erbpacht. Die Urbarmachung des Bruches

Das ganz 19. Jahrhundert forderte von den Jänschwaldern die Umstellung der Landwirtschaft vom Sandgebiet ins Bruchland. Zu Ende des 18. Jahrhunderts war der letzte Horst des "Jänschwalder Busches" gefallen. Nun galt es aus diesem gewaltigen Kahlschlag Äcker und Wiesen zu machen. Die jahrelange anstrengende Arbeit lohnte sich. Die Wiesen waren eben wie ein Tisch und versorgten die Wirtschaften mit Gras und Heu, die darin liegenden kleinen Ackerstücke brachten- wenn kein Hochwasser kam und die Queckenhacke ihre Schuldigkeit getan hatte- gute Frucht.

Die Urbarmachung machte gute Fortschritte. trotz mancherlei hindernder Ereignisse, die das 19. Jahrhundert dem Dorfe gebracht hatte. 1806 bis 1807 wurde die jetzige Kirche gebaut, wozu Hand und Spanndienste geleistet werden mussten. Dann kamen die Kriegsjahre 1806 - 1815 mit viel Einquartierungen, Regierungen, Kontributionen und Pressungen zu Führer-u. Fuhrleistunen. 1854 brannten zu allem Unglück im Dorfe 10 Gehöfte ab. Ihr Wiederaufbau hemmte die Arbeiten am Bruch. Erleichterung brachte 1842 der Bau einer Windmühle am Wege nach Drewitz, so dass die sonst mehrere Tage dauernden Fahrten zu entfernten Mühlen entfielen. Gefördert wurde die Urbarmachung des Bruches durch die Erhöhung und Pflasterung der Wege vom Dorf nach der Kolonie und nach Drewitz, die bis dahin nur verkommene Knüppeldämme waren. Auch die Dorfstraße wurde,wenn auch nur einspurig gepflastert. Ehe das 19. Jahrhundert Abschied nahm, brachte es im August 1897 noch das große Hochwasser, das eine völlige Missernte zur Folge hatte...

Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Ernährung der Pflanzen und deren Anwendung in der Landwirtschaft durch Verwendung von künstlichen Düngemitteln steigerten die Erträge beträchtlich. Die neuen Häuslerscheunen sind größer als manche alte Bauernscheune. Besseres Heu, Kartoffeln und doppelte Ernten durch Zwischenfruchtanbau schufen eine ausreichende Futtergrundlage für die vermehrte Viehhaltung. Damit erhöhte sich der Lebensstandard der Bevölkerung. Die Mechanisierung der Landwirtschaft machte wie überall auch hier seit 1900 riesige Fortschritte. Von der Sense zur Mähmaschine, vom Dreschflegel zur Dreschmaschine bis zum Mähdrescher, von Menschen- u. Tierkraft zum Diesel, Elektromotor und Traktor, von der Kartoffelhacke zum Kartoffelroder bis zur Kartoffelvollerntemaschine, von der Kartoffel- u. Rübengrube zum Futterpilz, vom Ziehbrunnen zur Wasserleitung in Haus und Stall, von der mechanischen zur chemischen Unkrautbekämpfung, von Schusters Rappen zum Auto. Aber es hat in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts auch Rückschläge gegeben. Die beiden Weltkriege haben schmerzliche Lücken in viele Familien gerissen und die Bewohner unseres Dorfes davon überzeugt, dass ein solches Massenmorden nicht mehr wiederholt werden darf. Die Hochwasser von 1926; l927, 1930,und 1958 haben manche wirtschaften ebenfalls schwer getroffen.

Nach 1945 ist zu den zwei Ortsteilen ein dritter hinzugekommen, Jänschwalde-Ost. 

Mit dem Ausbau des in den 30-iger Jahren angelegten Flugfeldes zu einem Militärflugplatz begann 1953 der Aufbau der Wohnsiedlung Jäschwalde-Ost. Zeitweilig fanden hier fast 2000 Menschen ihr Zuhause. Es ist eine Wohnsiedlung mit Bahnhof, ca. 650 Wohnungen, einer Kaufhalle, 2 Gaststätten, einer Lebensmittelverkaufsstelle mit Postagentur, einer Grund -und Gesamtschule und einer kombinierten Kindertagesstätte mit Hort.

Die Entwicklung nach dem II Weltkrieg ist maßgeblich geprägt durch 40 Jahre Geschichte der DDR. Von der einzelbäuerlichen Wirtschaft, die nach 1945 typisch für das Dorf Jänschwalde war, über den vielleicht nicht immer freiwilligen Kollektiven Zusammenschluss in der LPG konnte die landwirtschaftliche Produktion mit ihren Bereichen, Pflanzen- u. Tierproduktion große Fortschritte verzeichnen und sicherte dem Gros der Bevölkerung materiellen Wohlstand und sichere Arbeit. Auch die Dienststelle der NVA, das Kraftwerk und der Bergbau, sowie, die dank einer günstigen Bahnverbindung mögliche Berufstätigkeit, in Guben und Cottbus ,trugen wesentlich zu einer erfolgreichen Entwicklung der Gemeinde bei. Mit der Wende im Jahr 1990 sind einschneidende Veränderungen auch in unserem Dorf eingetreten.

Der Militärflugplatz und seine Truppenteile existieren nicht mehr, damit auch die Existenzgrundlage für ehemals ca. l500 Berufssoldaten. Aber auch in allen anderen Bereichen der Industrie und Landwirtschaft sind Reduzierungen im Arbeitskräftebereich nicht ohne Auswirkungen geblieben.

Das Dorf Jänschwalde heute ist Amtssitz des gleichnamigen sorbisch deutschen Amtes Jänschwalde und im Verbund mit den Dörfern Drewitz, Horno, Grießen. Es hat sich seit 1990 viel getan, unsere Häuser haben sich vom tristen Grau in schmucke kleine Anwesen verwandelt. Das Dorf ist an das zentrale Wasser-u Abwassernetz angeschlossen, es besteht die Möglichkeit des Anschlusses an die Erdgasversorgung für einen Teil der Anwohner. Die Gemeinde ist Eigentümer der Wohnsiedlung Jänschwalde-Ost und somit in der Lage ausreichend Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Schrittweise geht die Modernisierung auch in den Gebäuden der Wohnungsgesellschaft Jänschwalde voran. Besonders hervorzuheben sind die guten Voraussetzungen sich kulturell und sportlich zu betätigen. Ein außerordentlich reiches Vereinsleben prägt das Geschehen in unseren 3 Ortsteilen und gibt die Gewähr, unseren Senioren, der Jugend und jedem interessierten Bürger eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung sichern.

 

 
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